Der Steinmetz

Die Geschichte eines der ältesten Handwerke der Menschheit

Der Beruf des Steinmetzen und Steinbildhauers kann von sich behaupten, zu den ältesten Handwerken der Menschheit zu gehören. Seit jeher erschufen Handwerker dieser Zunft steinerne Bauwerke – zunächst als lebensnotwendigen Schutz für den Menschen, später als repräsentative Monumente für Staats- und Kirchenführer. Bis heute zeugen prächtige Schlösser, Burgen, Kirchen und Gedenkstätten von dieser Epoche.

Das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk hat in der Geschichte der Weltkulturen bleibende Spuren hinterlassen. Monumentale Bauten der Ägypter, Griechen und Römer faszinieren noch heute durch ihr enormes handwerkliches Geschick. Auch die kühnen Konstruktionen der Kirchen, Burgen und Denkmäler des Mittelalters rufen bis heute Staunen und Bewunderung hervor.

Das Berufsbild heute: Tradition trifft Moderne

Auch in der Gegenwart basieren die Arbeiten der Steinmetze auf den traditionellen Techniken der Steinbearbeitung. Gleichzeitig erweitern moderne und zeitgemäße Methoden das vielfältige Berufsbild. Die hohen gestalterischen Anforderungen verlangen:

  • Kreativität bei der Formfindung,

  • Hohe Fachkompetenz in der Materialkunde,

  • Fingerspitzengefühl in der Umsetzung.

Es ist daher kaum verwunderlich, dass dieses Handwerk zu Recht von Stolz und der Liebe zum Detail geprägt ist. Bei der Fertigung von Grabzeichen agiert der Steinmetz als einfühlsamer Gestalter und zugleich als kompetenter Berater für Friedhofsverantwortliche. Neben dem Neubau gewinnt das Bewahren alter Bausubstanz heute massiv an Bedeutung, da die zunehmende Umweltverschmutzung selbst vor hartem Naturstein keinen Halt macht.

Historische Wurzeln und Ausbildung im Wandel

In historischen Quellen verschwimmen die Berufsbezeichnungen oft, da die Ausbildung der Steinmetze im Mittelalter meist auf der des Maurers aufbaute. Für den Steinbildhauer wiederum war keine separate Ausbildung vorgeschrieben – hier zählten vor allem Begabung und Erfahrung. Erst ab 1275 taucht der Begriff „steinmecz“ vermehrt auf, gefolgt vom „Bildhauer“ im 15. Jahrhundert.

Erst im 15. Jahrhundert wurde die Ausbildung des Steinmetzen verbindlich geregelt:

[5-6 Jahre Lehrzeit als Diener] ➔ [Beitritt zur Bruderschaft] ➔ [1 Jahr Wanderschaft] ➔ [2 Jahre Kunstdiener/Meisterknecht]

Nach der Lehrzeit (üblicherweise ohne formelle Prüfung) trat der Geselle der Bruderschaft bei und begab sich auf eine einjährige Wanderschaft. Danach konnte er für zwei Jahre als Kunstdiener oder Meisterknecht bei einem Werkmeister arbeiten, um seine Fähigkeiten in Entwurf, Konstruktion und Bildhauerei zu vertiefen. Die Gesamtausbildung dauerte somit oft rund 10 Jahre, während der Lehrlinge und Gesellen fest im Haushalt des Meisters lebten.

Organisiert waren die Handwerker entweder in der Bauhütte (fabrica) der jeweiligen Großbaustelle unter Leitung des Werkmeisters bzw. Parliers oder in städtischen Steinmetzbruderschaften.

Der Höhepunkt im Hochmittelalter und der Gotik

Als sich im Hochmittelalter der Wandel vom Holzbau zum teureren, aber dauerhaften Steinbau vollzog, waren Steinmetze (auch Steinhauer genannt) besonders gefragt. Sie errichteten sakrale Gebäude, Pfalzen, Burgen, Stadthäuser und Befestigungsanlagen. Dabei ging ihre Arbeit fließend in die Kunst der Architektur und der Bildhauerei über.

Einen technischen und künstlerischen Höhepunkt erreichte das Handwerk in der Gotik. An den Großbaustellen der Kirchen vereinigten sich die Baumeister und angeworbenen Bauleute in den berühmten Bauhütten. Abseits dieser Großprojekte organisierten sich die städtischen Steinmetze in klassischen Zünften, deren Existenzgrundlage vor allem weltliche Bauten waren. Der Zweck beider Organisationsformen war identisch: die Ausbildung tüchtiger Handwerker sowie die Pflege „treuer Freundschaft, religiösen Empfindens und sittlichen Strebens“.

Werkzeuge im Wandel der Jahrhunderte

Die meisten Steinmetzarbeiten des 14. bis 16. Jahrhunderts wurden mit Werkzeugen bewältigt, die sich über Jahrhunderte kaum veränderten:

Die klassische Flächenbearbeitung: Vom Groben zum Feinen fortschreitend, nutzte man das Bossieren mit dem Zweispitz (Picke), das Flächsen mit dem Fläch- und Stockhammer beziehungsweise dem Krönel sowie das Spitzen mit dem Spitzeisen.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts revolutionierte ein neues Werkzeug die Oberflächenbearbeitung: das Scharriereisen. Es besaß eine breitere Schneide, wurde wie ein Schlag- oder Spitzeisen geführt und erlaubte es erstmals, große Quaderelemente vollkommen glatt zu behauen.

Alle anderen Werkzeuge zur Steinbearbeitung, zum Mauern und zur geometrischen Vermessung (oder zur Übertragung von Werkzeichnungen) erfuhren bis in die Neuzeit hinein nur minimale Optimierungen. Ob Kelle, Stechzirkel, Reißnagel, Messlatte, die verschiedenen Lotwaagen oder die zahlreichen Schablonen (Brettungen) – das überlieferte Instrumentarium blieb über Jahrhunderte das verlässliche Fundament des Handwerks.

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